The North Face Ultra-Trail Du Mont-Blanc

Courmayeur-Champex-Chamonix

 +4.537 Höhenmeter -4722 Höhenmeter

 86 km  Sollzeit: 24 h

Zwei Tage vor dem UTMB stellte ich fest das sich die Sohle von meinen Lieblingslaufschuhen lösten. Obwohl ich ein Paar Trailschuhe besitze wollte ich unbedingt mit meinen geliebten Brooks laufen. Diese haben mir schließlich beim SAM, Isarrun usw. gute Dienste erwiesen.

Deshalb beschloss ich ein Paar neue Brooks Trance 6 zu kaufen und damit zu laufen.

Ein hohes Risiko, ein Anfängerfehler noch dazu, sei es drum, ich beschloss dieses Risiko einzugehen.

 

Nachdem wir Donnerstags in Chamonix angekommen waren genossen wir noch mal ein ausgiebiges Abendessen und holten uns letzte Tipps von Gerhard.

 

Abends vor dem Lauf  mit Gerhard und Ralf

Freitags gegen 9:00 Uhr fuhren wir, Ralf, meine Wenigkeit und unsere Begleiterinnen Sabine und Dani mit dem Shuttle Bus durch den Mont Blanc Tunnel zum Startort nach Courmayeur.

Shuttle-Bus zum Startort

Im 11,5 km langem Mont-Blanc-Tunnel

Der Startort Courmayeur liegt im schönen Aosta-Tal in Italien. Dort wurden wir mit strahlend blauem Himmel empfangen. Im Startbereich herrschte schon großes Gedrängel. Der Sprecher und die Musik heizen die Stimmung immer weiter an. Bis zum Start verging die Zeit wie im Flug. Kurz vor dem Start treffen wir überraschend auf Hanne, die Wiedersehensfreude war groß, da wir nicht mit ihr gerechnet hatten.

Die Läuferschar schlagen immer wieder auf Kommando die Wanderstöcke in der Luft zusammen. Ein Ohrenbetäubender Krach wurde so erzeugt und die letzten Minuten bis zum Startschuss verflogen förmlich.

kurz vor dem Start

mit Hanne und Ralf

unsere Fans Sabine und Dani

so erzeugt man Lärm mit den Wanderstöcken

Ralf und ich wollten zusammen laufen. Wir hatten eine einfache Taktik. Die ersten km wollten wir zügig loslaufen damit wir nicht in den Stau vor der ersten Steigung kommen. In den Berichten von Bernhard Sesterheim und Eberhard Ostertag vom Vorjahr waren die Stockungen eindruckvoll beschrieben. Ralf legt gleich ein sehr hohes Tempo vor. Ich sah auf meine Pulsuhr und wusste ich konnte dieses Tempo nicht gehen. Also nahm ich etwas raus und genoss die jubelnden Zuschauermassen die eng beisammen an der Strecke standen. Betört vom geklicke der Stöcke die auf der Teerstraße einen hämmernden Ton hinterließen ging es aus dem Ort hinaus. Nach kurzer Zeit bogen wir dann auf einen Bergpfad ein. Hier herrschte dichtes Gedränge und da war er auch, der erste Rückstau. Ich versuchte auf den Bergpfad zu kommen. Es wurde gedrückt und gestoßen. Einige Zeitgenosse schoben sich von hinten, ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne. Nachdem ich einige Minuten nicht voran kam wendete ich ebenfalls die Titanic-Taktik an “Erst komme ich“. Peinlich, aber was will man machen.

Ich rammte einem Läufer meinen Rucksack in den Bauch. Mein “Sorry“ interessiert diesen nicht, scheinbar ist so ein Verhalten hier nicht ungewöhnlich. Auf dem Bergpfad schob sich dann der Läufer dem ich den Rucksack in den Bauch gerammt hatte rücksichtslos in Rugby Manie an mir vorbei. Jetzt legte sich bei mir ein Schalter um. Ich hatte plötzlich Spaß daran diese Herausforderung anzunehmen. Jetzt galt es sich so schnell wie möglich anzupassen. Der Kollege vor mir sollte mein Studienobjekt sein. Ich hielt einen Abstand von etwa einem Meter. Dies war nötig da seine Stöcke in Augenhöhe nach hinten schossen. Jetzt galt es die ersten 850 HM innerhalb von 5 km gut und vor allem gesund zu überstehen.Die Stöcke erwiesen sich als sehr hilfreich. Man braucht wesentlich weniger Kraft. Kurz vor der ersten Anhöhe rammte ich meinem Studienobjekt, versehentlich versteht sich, meinen Stock mit Wucht in den Schuh, genau in die Achillessehne. Autsch, so eine Misst dachte ich, jetzt gibt es sicher Ärger. Aber mein Vordermann zeigt nicht die geringste Reaktion. Einige Meter weiter trat ich ihm dann auf seinen Stock. Er ist fast hingefallen, doch unglaublich er beachtete mich nicht einmal.  Auch das war ihm egal! Mir schoss durch den Kopf, der Typ muss ein Fremdenlegionär sein.

Es wurde Zeit diesen Hardcore Läufer zu überholen bevor er noch meinetwegen im Lazarett Zelt landet. Auf der Anhöhe angekommen hat sich die Läuferschlange etwas entzerrt. Mir ging es gut und ich konnte wieder etwas anziehen. Ich habe für die ersten 5 km 1 Stunde und 19 Minuten gebraucht und bin auf Platz 1009. Das nächste Stück ist für mich das Schönste. Man läuft einen Bergpfad entlang und hat einen irren Ausblick auf die Viertausender. Ich denke dieses Stück steht dem Ausblick auf Eiger, Jungfrau und Mönsch beim Jungfraumarathon in nichts nach.

Alleine für diesen Anblick hat sich die Reise hierher gelohnt!

„Refuge Bonatti“ auf 2020 erreicht ich nach 2 Stunden und 37 Minuten, Platz 1025. Das sind gerade mal 12,8 km! Spätestens jetzt sieht man das die Uhren hier anders laufen.

Danach ging es steil bergab nach Arnuva auf 1770 m. Die erste Großversorgung stand an, ich gönnte mir nach hartem Gedränge eine Nudelsuppe. Hier ist auch das erste Zeitlimit. Keine Gefahr, ich habe 1:10 h gut, Platz 994.

Weiter geht es nach Grand Col Ferrer, dass sind ca. 800 HM auf 4,6 km. Auf dem Weg dorthin laufen wir an einem der vielen Gletscher vorbei. Für einige Sekunde halte ich inne um diesen Blick zu genießen. Auf einem steilen Stück stürzt eine Läuferin und verletzt sich am Knie. Ein Läufer verarztet sie sofort, weitere Hilfe lehnte sie ab. Das letzte Stück zum Grand Col Ferrer wurde noch mal richtig steil. Auf 2537 m angekommen entschädigte der Ausblick für die Strapazen. 4 Stunden 49 Minuten waren vergangen und 21 km hatte ich zurückgelegt, Platz 949. Plötzlich hörte ich meinen Namen, es war Ralf der laut Bernie durch die Gegend schrie. Er streckte die Arme in den Himmel, wir begrüßten uns herzlich und fortan liefen wir das Rennen gemeinsam. Ralf hatte Grand Col Ferrer drei Minuten vor mir erreicht.

unglaubliches Gedränge in der Verpflegungsstelle Arnuva

blutiges Knie nach Sturz

links sieht man Ralf`s herzliche Begrüssung am Grand Col Ferret

Jetzt ging es erst mal 17 km überwiegend bergab. Zwischendrin gab es noch eine größere Verpflegungsstelle in La Fouly. Hier gönnten wir uns einen Teller Nudelsuppe und ich trank drei Becher Cola. In Praz de Fort bei km 38,5 ging es Ralf plötzlich schlecht. Er litt unter Übelkeit und musste sich übergeben. Er hatte eine fahle Gesichtsfarbe. Ich sprach ihm Mut zu und nach einer längeren Rast schien Ralf sich wieder erholt zu haben.Wir liefen zum tiefsten Punkt der Strecke um dann den Aufstieg nach Champex-Lac zu machen. In Champex-Lac angekommen machte ich mich über die vielen Köstlichkeiten her. Die Tische waren reichlich gedeckt, es gab Nudeln, Suppen, Kaffee, Tee , alle möglichen Früchte, Schokolade, Riegel, Plätzchen, Salami, Schinken, Baguette, Brot. Ich haute mir den Magen voll und merkte erst jetzt das es Ralf nicht gut ging. Er konnte nichts essen und wollte auch nicht richtig trinken. Wir hatten 3 Stunden 30 Minuten auf das Zeitlimit herausgelaufen, Platz 830. Wir beschlossen hier eine längere Rast einzulegen damit wir die zweite Hälfte gut gestärkt angehen konnten. Nach einer Stunde im Zelt ging es gleich mit einem schlechten Omen weiter. Ralf musste sich erneut übergeben. Er hatte fast nichts gegessen, uns war klar wie kritisch die Lage war. Ralf bat mich weiterzulaufen. Das kam nicht in Frage. Ich kenne Ralf und weiß mit was für einer Leichtigkeit er normalerweise läuft. Wir gingen ein Stück, justierten unsere Stirnlampen für die Nacht und liefen wieder bis zur berüchtigten Steigung von Bovine. Dieses gefürchtete Stück ist so ganz anders als all das was man so gewohnt ist. Man muss über Bäche steigen und eine Steigung mit großen Steinbrocken und Wurzeln überwinden. Oft muss man die Hände zur Hilfe nehmen um überhaupt weiter zu kommen. Ralf kämpfte sich Kreidebleich in bemerkenswerter Manier den Berg hinauf. Zwischendrin musste er immer mal eine kleinere Pausen einlegen. Aber das war egal, uns war klar das wir es im Zeitlimit schaffen würden. Wir verloren hier einige Plätze doch Ralf ging es langsam wieder besser. Er musste sich  zwar noch einmal übergeben konnte aber wieder trinken und so seinem Körper Energie zurückgeben.

Oben angekommen nach 54 km und 12:19 h waren wir auf Platz 936 zurückgefallen. Jetzt kam die Wende, Ralf war wieder da. Den Berg runter bin ich nur gerutscht. Ich habe es nicht für möglich gehalten das  es so eine schwierige Strecke gibt. Ralf machte jetzt das Tempo, ich konnte nur mit Mühe folgen. Ein ums andere Mal bin ich ausgerutscht auf den feuchten Wurzeln. Kaum vorstellbar wie man hier bei schlechtem Wetter laufen soll. Wir haben für 6 km und  690 HM bergab 1:30 h gebraucht, unglaublich!

La Peule

Wieder heißt es anstellen für einen Teller Suppe und Cola, Ralf hat 10 Meter Vorsprung.

 

La Fouly -> Ralf gibt alles, no limits

Champex-Iac

reich gedeckter Tisch

Um 2:22 Uhr sind wir in Trient angekommen, Platz 934. Dort haben wir uns gut verpflegt und sind dann wieder in die Nacht. Wir waren die einzigen Läufer weit und breit die mit kurzen Hosen gelaufen sind. Manchmal war es schon recht kalt, aber im Großen und Ganzen hatte ich die lange Hose lieber in meinem Rucksack. Mir ist kurz lieber, Ralf sieht das genauso. Jetzt ging es den letzten größeren Berg hoch, noch mal 700 HM auf über 2000 Meter. Man konnte die Lampen der Läuferschar fast bis in den Himmel verfolgen. Ein toller Anblick!

Obwohl wir ständig in Bewegung waren und uns nur eine kurze Trinkpause gönnten brauchten wir für den Auf- und Abstieg von Trient nach Vallorcine 3 Stunden und 20 Minuten. Das sind gerade mal 10 km. Das zeigt wieder normale Maßstäbe zählen hier nicht. Der Abstieg von ca. 800 HM kostete mich viel Kraft. Mittlerweile war es 5:40 Uhr und wir waren 17:13 h unterwegs, Platz 916. Mir wurde es kalt. Ich zog mein langärmliges Laufshirt und eine Jacke an. Jetzt waren es noch 17 km und ca. 400 HM plus und  600 HM minus. Ich rechnete 2:47 h für 17 km, dass könnte noch unter 20 Stunden klappen. Wir waren jetzt wie besessen von dem Gedanken unter 20 Stunden zu bleiben. Wir puschten uns gegenseitig, alle schwächen waren vergessen. Die Beine fühlten sich gut an also gaben wir noch mal Gas. Wir überholten einen Läufer nach dem anderen, ein irres Gefühl am Ende so einer Strecke.

Wir erreichten die letzte Verpflegungsstelle bei km 76. Hier wollte ich Cola und Wasser zu mir nehmen. Doch oh Schreck der Tisch war leer. Ich schrie dem Helfer entgegen das ich dringend Cola brauche. Der wollte mir aber keines geben, da er erst mal Nudelsuppe auffüllte. Es kam jetzt auf jede Sekunde an und der Helfer war völlig überfordert mit der Situation. Ralf nahm Rosinen oder so was zu sich und ich drängte ihn unverrichteter Dinge weiter zu laufen.Wir hatte zum Glück noch etwas Wasser in der Trinkblase und konnten so einen letzten Schluck vor dem finalen Ritt zu uns nehmen. Wir hatten noch 1:24 h für 10,5 km. Normalerweise kein Problem! Doch hier ist das natürlich etwas schwieriger zumal es keine km Angaben gibt. Wir haben alles gegeben und über 100 Athleten auf dem letzten Stück überholt. Letztendlich sind wir nach 19 Stunden und 51 Minuten auf Platz 783 ins Ziel gelaufen. Im Ziel sind wir uns in die Arme gefallen und wurden wie Helden von unseren Frauen in Empfang genommen.  Ein unvergessliches Erlebnis!

Ach ja, meine neuen Brook`s bereiteten mir keine Sorgen und ich würde behaupten der Schuh ist jetzt eingelaufen.

Wenn man genau hinsieht kann man erkennen das es hier über einen Bachlauf geht

letzte Großverpflegungsstelle in Vallorcine

glückliche Finisher

vier Stunden später beim Italiener, nein wir sind nicht müde...nur stolz!

beusa@web.de

Herzlichen Glückwunsch an alle 20 deutschen Finsher des CCC 2007

200

Strohmeyer Thomas

15h37mn22s
408 Faschina Markus 17h29mn11s
601 Petruck Andreas 18h46mn32s
623 Rebstock Hans Dieter 18h56mn12s
645 Isenmann Friedberg 19h01mn43s
669 Preissler Lothar 19h14mn31s
781 Conradt Bernie

19h51mn57s

782 Sacher Grace 19h52mn22s
785 Kölsch Ralf 19h53mn15s
955 Tronczik Micheal 20h54mn15s
957 Herz Stefan 20h57mn09s
976 Peters Sebastian 21h01mn37s
1137 Sturzl Johannes 22h04mn40s
1188 Bächler Stefan 22h26mn53s
1188 Bächler-Preu Beate 22h26mn53s
1214 Hilgert Manfred

22h37mn25s

1224 Ichert Michael 23h08mn53s
1286 Koerber Klaus 23h08mn53s
1308 Hellmuth Thomas

23h25mn10s

1308 Wolf Andreas

23h25mn10s